Karwendel, Bereich Halleranger - Speckkar. Drei neue alpine Sportkletterrouten vom Feinsten: 'The inglourious basterds 8' , 'Hundert Wasser 8' und 'Woodstock 10-'

Schöne Aussicht auf den Lafatscher beim Frühstück im Hallerangerhaus

Dieter in der 2. Länge (7-)

deutlich erkennbar: das überhängende Rissystem der 3. Länge (8)

Dieter in der Schlüsselstelle

Schöner Mix aus Platenklettern und Rissklettern. Auf dem Weg zur 5. Länge (8-). Rechts deutlich zu erkenen: die Rinne des "Buhldurchschlags" 7 bzw 6/Ao

Reini in der anspruchsvollen Verschneidung der 1. Länge (8)

Dieter in der 2. Länge (7)

Reini in der 3. Länge (8-)

Dieter in der 3. Länge (8-)

Dieter zum Stand der 4. Länge (8-)

Reini in der 5. Länge (8)

Beim Abseilen im Abendlicht. Die Licht-Schatten Grenze markiert genau David Lamas Projekt.

Dieter und Reini bei der Erstbegehung der neuen Variante (Projekt 7. Grad) knapp rechts der "Dachrinne"Foto: Kranebitter Klaus

Deutlich zu sehen: die super schöne Rinne links der neuen Variante

Auf dem Weg zum Ausstiegskamin (7)

Links im Riss, mitten in der Platte verläuft das Projekt von David Lama

Dieter in der 1. Länge (6+) auf dem Weg zu den Putz- und Boulderarbeiten

Dieter in der schönen, aber anspruchsvollen Verschneidung der 2. Länge

Bis zum letzten Zug ist keine Passage geschenckt. Im Hintergrund: die Verschneidung (1. Länge) von Schattenspiel und Zitterlal

David 2008 beim Ausschecken der Route, 4. Länge 7c

David in der Schlüsselpassage der 2. Länge (9+/10-)

Reini in der Wandkletterei der wunderschönen Ausstiegsplatten (8)über Reini erkennbar der Riss "Schattenspiel 7/7+" und rechts davon die Rissverschneidung "Zitteral 7"

Wandkletterei vom Feinsten im besten Felsen (6. Länge, 8)

Dieter in der 6. Länge (8)

beeindruckender Tiefblick aus der 6. Länge (8)

Dieter in der 6. Länge, dahinter gehts übers Überschalljoch ins Vomper Loch

Noch rechtzeitig vor Einbruch der kälteren Jahreszeit bzw. der Feuchtigkeit in den Nordwänden des Karwendels und noch vor Dieters Baubeginn können Dieter Stöhr und Reini Scherer ihre Projekte im Halleranger abschließen. Vierzehn Klettertage am Felsen, zehn davon im Halleranger, so die magere Ausbeute der diesjährigen Klettersaison. Traurig aber wahr, in früheren Jahren war dies die Zahl der jährlichen Rasttage. Anfangs war das Wetter immer zu unsicher, und dann war zwischen der Organisation von Wettbewerben, Routenbau im Tivoli, Familienurlaub und Bauverhandlungen einfach zu wenig Zeit, um öfter in die Berge oder irgendwie an den Felsen zu kommen. Dafür war das Training in der Halle umso intensiver und voranging auf diese Projekte konzentriert. Und was dabei herausgekommen ist, das kann sich sehen lassen.

Alleiniges Ausbouldern mit Steigklemmen an den Fixseilen, Bürsten und Putzen in der Route, 3 Haken umbohren, schließlich die einzelnen Seillängen rotpunkt versuchen, und immer wieder der 2 x 2 Stundenmarsch mit den bis zu 30 kg schweren Rucksäcken vom Halltal übers Lafatscher Joch ins Halleranger. Kein Wunder, dass anfangs die Knöchel, schließlich das Knie und zu guter Schluss auch noch die Bandscheiben immer mehr in Mitleidenschaft gezogen wurden, und Dieter am letzten Tag sogar noch Reini`s Rucksack zu Tal tragen musste.

Die Qualität dieser Routen, die Qualität des Felsens und die Linienführung sind einzigartig, traumhaft schön und super originell und auch die Zeit, die wir auch heuer wieder im Hallerangerhaus bei Georg und Anni verbrachten und bei denen wir uns für ihre Gastfreundschaft bedanken möchten, ist unvergesslich. 

Info zum Zustieg:

Eine Möglichkeit besteht über das Halltal (4 € Maut) und Lafatscher Joch Richtung Halleranger: ca 2 Stunden. Gute Radlfahrer können das Rad bis knapp unter das Joch mitnehmen – bis dort fährt auch der Jäger mit dem Auto – Es verkürzt den Zustieg zwar nur minimal, aber beim Abstieg (Abfahrt sehr anspruchsvoll!) spart man sicher über 45 min. 

Die andere Möglichkeit ist mit dem Fahrrad von Scharnitz (4 € Parkgebühr) übers Hinterautal, vorbei an der Kastenalm zum Hallerangerhaus. Der steile Ansteig nach der Kastenalm wird meist geschoben. Die Anfahrt ist zwar etwas länger (mind. 2,5 Stunden), dafür kann man aber in 45 – 60 min mit dem Fahrrad bequem wieder zum Auto zurück.

 

1. Inglourious Basterds, 240 m, 8. Grad, 7 Sl

 

Charakter: Riss- und Wandkletterei vom Feinsten durch das bereits vom Weiten auffallende und durchgehende Risssystem knapp links vom Buhldurchschlag. Bei der Schlüsselpassage (stark überhängender Riss in der 3. Länge) handelt es sich um eine Einzelstelle mit einem Handklemmer, der zwingend geklettert werden muss und nur mit einem 1er Camalot ausgetrickst werden kann. Die Linie, knapp 15 m links vom Buhldurchschlag, wechselt immer wieder zwischen dem Risssystem und der schönen Wandkletterei links davon hin und her. Der Erfolg schmeckt mit einem anschließenden Bier im Hallerangerhaus noch besser! 

 

Die einzelnen Längen: 4- (40m), 7- (35m), 8 (30m), 7- (35m), 8- (35m), 7 (35m), 6+ (30m) 

 

Material: 10 Express, eventuell einen Camalot Größe 1 oder Friend Größe 3 ,

70 m Einfachseil für die 35 m Abseilpiste

 

Hinweis: Einstieg 3 m links der einzementierten Gedenktafel. In der ersten Länge stecken keine Haken (übrigens: Einstieg Buhldurchschlag entweder 5 oder 20 m rechts der Gedenktafel und Einsteig Anna Lacht 35 m rechts der Gedenktafel und Eiertanz ca 70 m rechts)

Abseilen über die Route (Abseilpiste, bitte Karabiner belassen! 2 eigene Abseilstände vom Überhang gerade hinunter und dann etwas nördlich; 35 m Abstände) oder klassisch oben links hinaus zu den Schnittelwänden. 

Vorsicht: der große Block neben dem Stand zur 6. Seillänge ist mit Vorsicht zu genießen! 

Vorsicht auch mit dem Auslösen von Steinschlag beim Klettern und beim Abseilen wegen der Wanderer, die direkt unterhalb der Route vorbeiqueren!

Übrigens: W Wand, das heißt: Sonne ab ca 11:30 Uhr, womit die Route auch noch später im Herbst geklettert werden kann.

 

Zur Namensgebung: beide Wörter sind von Quentin Tarantino bewusst falsch geschrieben, um sich vom Film von Castelaris zu unterscheiden und um offensichtlich die Zensuren im Internet umgehen zu können.

 

Erstbegeher: Dieter Stöhr und Reini Scherer Aug 2009

 

2. Hundert Wasser, 200 m, 8. Grad, 6 Sl

 

 

Charakter: In diesem Schwierigkeitsgrad mit Sicherheit eine der schönsten, fotogensten und originellsten Routen im ganzen Karwendel. Quer über eine a…glatte Wand zieht von links unten nach rechts oben ein Verschneidungs- und Risssystem, welches von der Schönheit und der Felsqualität seines Gleichen sucht. Die Route beginnt mit einer äußerst anspruchsvollen, stumpfen Rissverschneidung, geht dann weiter über eine senkrechte Piazschuppe und führt in einen 40 m langen, diagonalen Quergang, der in einem Rissystem in einer glatten Wand gehangelt wird. Dann kommt mit 2 Seillängen das Schmuckstück der Route: eine 60 m lange, super zerfressene, senkrechte Wasserrille in der Größe und Stumpfheit einer Dachrinne. Man kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus!

 

Die einzelnen Längen: 8 (30m), 7- (30m), 8- (40 m), 8- (30m), 8 (35 m), 5 (35 m)

 

Material: 11 Express, 70 m Einfachseil für die 35 m Abseilpiste

 

Hinweis: Abseilen über die Route. Bitte die Abseilkarabiner belassen. (Vom 3. Stand gerade über den Überhang hinunter 35 m Abstände)

Die erste Seillänge ist identisch mit David Lama seinem Projekt, welches dann nach links in die glatte Wand zieht.

Vorsicht: die derzeit letzte Seillänge über den Abschlusskamin ist noch etwas brüchig, gefährlich und daher noch nicht empfehlenswert, weil sich der Stand direkt unter dem Kletterer befindet. Auf einen Ausstieg zur Rampe wurde deshalb noch verzichtet. Es ist aber angedacht die Route noch ganz hinaus zu machen und intensiv von losen Blöcken zu befreien. 

Versierte Alpinisten würden aber auch so mit einigen mobilen Hilfsmitteln über eine weitere Seillänge den Weg im 4 Grad hinaus finden und könnten so über die große Rampe nach links im 2er Gelände absteigen. 

Im Bereich der Abseilpiste haben die Erstbegeher bereits damit begonnen einen direkten und leichteren Zustieg zur kaminartigen Ausstiegsverschneidung von unten zu erschließen.

 

Beste Jahreszeit für diese N Wand, in der nur um 7 Uhr früh und um 7 Uhr abends für wenige Minuten die Sonne scheint: Juli – September nach einigen regenfreien und vor allem an warmen Tagen. Ab Mittag sind die Temperaturen meist angenehmer als zu früh am Morgen. 

 

Erstbegeher: Scherer Reini und Dieter Stöhr Sept. 2009

 

3. Woodstock, 220m, 10-, 7 Sl

 

Charakter: Sehr schwere und technisch äußerst anspruchsvolle Wandkletterei an einer kleinen, senkrechten, offenen, stumpfen und abdrängenden, aber 70 m langen Verschneidung als Schlüsselpassage. Die schwierigsten Meter sind die ersten 10 m Wandkletterei in der 2. Länge (9+/10-) gefolgt von einer 70 m langen Verschneidungskletterei im 9. Grad. Der Felsen hat 5 Sterne Qualität und besticht in seinen letzten 2 Längen mit einer traumhaften Wandkletterei im 8. Grad. Bei der Erstbegehung wurde beim Ausstieg ( = letzen 2 Längen) irrtümlicherweise der Riss „Schattenspiel“ von Zak/Walch saniert. In Rücksprache mit den Erstbegehern, denen wir angeboten hatten die Haken wieder zu entfernen, wurden diese aber belassen. Im Anschluss daran haben wir heuer, ob der Eigenständigkeit unserer Linie, die wunderschöne Wandkletterei knapp links davon eingerichtet, …. und es hat sich ausgezahlt. 

 

In diesem Schwierigkeitsgrad mit Sicherheit eine von …, wenn nicht die schönste Route im Karwendel! 

 

Die einzelnen Längen: 6+ (35m), 9+/10- (40m), 9+ (20m), 9 (20m), 

7 (35m), 8 (35m), 8 (35m) 

 

Material: 17 Express, 70 m Einfachseil für die 35 m Abseilpiste

 

Hinweis: Abseilen über die Route, oder Ausstieg über 2er Gelände und Rampe nach links.

Dank auch an Lama David und Würtele Andy einerseits für die Hilfe beim Ausbouldern und andererseits für das geduldige Sichern und an Jorg Verhoeven für das „Einklettern“ im Hallerangerfelsen. 

 

Erstbegeher: Scherer Reini und Dieter Stöhr Sept. 2008 – Sept. 2009. Begonnen wurde mit der Erstbegehung im Vorstieg bereits im September 2008 bei leichtem Regen und Schneefall.